KI Session am Mittwoch, 19.08.26: Lead-Generierung und Bearbeitung von Kontakten über Webseiten mit KI-Unterstützung
Die Session behandelt die Herausforderungen und Möglichkeiten der Bearbeitung von Leads und Kundenanfragen, die über Webseiten generiert werden. Im Mittelpunkt stehen die systematische Erfassung von Engagement-Daten mittels KI, die Automatisierung von Vertriebs- und Backofficeprozessen sowie die str
Die systematische Bearbeitung von Leads, die über Webseiten generiert werden, ist eine zentrale Herausforderung für Vertriebsprozesse. Die Session vom 19.08.2023 erläutert praxisnah, wie KI-gestützte Engagement-Messung und Automatisierung im CRM helfen, Kontakte gezielt zu bewerten und effizient zu bearbeiten.
Ausgangssituation: Webseite als Einstieg in Kundenbeziehungen
Die Webseite gilt heute als digitaler Haupteingang zu einem Unternehmen. Besucher werden idealerweise zu Leads, indem sie etwa ein Formular ausfüllen, einen Termin vereinbaren oder ein Informationsangebot in Anspruch nehmen. Doch spätestens hier beginnt der aufwendige Teil: Wer bearbeitet diese Anfragen? Wie werden Leads bewertet? Wie und wann wird die Kontaktaufnahme automatisiert oder personalisiert?
Sebastian Eisenbürger bringt das auf den Punkt: Die Webseite allein generiert zwar Anfragen, aber diese müssen anschließend systematisch weiterverarbeitet, nachverfolgt und qualifiziert werden. Nur so lässt sich das Potenzial nutzen, das in den Daten schlummert.
Dabei ist der Faktor Zeit zentral – in einem Beispiel nennt Eisenbürger, dass allein zehn wöchentliche Anfragen mit einer manuellen Bearbeitungszeit von etwa 60 Minuten pro Lead schnell einen Tag Arbeit pro Woche an Verwaltung verursachen. Diese Zeit soll durch Automatisierung reduziert werden, sodass mehr Kapazität für das eigentliche Kerngeschäft bleibt.
Leadmanagement: Von der Erfassung zur Bewertung mit KI
Ein praktischer Ansatz zur systematischen Lead-Bearbeitung ist die Einführung eines Punktesystems, welches unterschiedliche Interaktionen mit einem Lead bewertet – der sogenannte Engagement-Score. Jede Handlung auf der Webseite oder im weiteren Kontaktverlauf bekommt Punkte, je nachdem wie stark sie auf ein Kaufinteresse hindeuten.
Beispielhaft können sein:
- Webseitenbesuch: 1 Punkt
- Eintragung für einen Newsletter: 10 Punkte
- Vereinbarung eines Termins: 3 Punkte
- Teilnahme am Termin: 5 Punkte
- Öffnen einer E-Mail: 1 Punkt
- Klick in einer E-Mail: 3 Punkte
- Nichtöffnen von E-Mails: Minuspunkte als negatives Signal
Dieser Score wird kontinuierlich gesammelt und ausgewertet. Ab einem definierten Schwellenwert meldet das CRM-System dem Vertrieb einen Lead als „reif“ für eine direkte Ansprache. Damit sind die Kontaktaufnahmen gezielter, vertriebsorientierter und effizienter gestaltet – der Lead ist zur richtigen Zeit im richtigen Status.

Strategische Betrachtung: Bedürfnis-, Wunsch- und Problemlagen
Ein weiteres Kernthema der Session ist die differenzierte Betrachtung der Motivation von Kunden und Interessenten. Eisenbürger unterscheidet dabei drei zentrale Beweggründe, warum Menschen mit Angeboten in Kontakt treten:
- Probleme lösen – akuter Handlungsbedarf, der sofortige Aufmerksamkeit verlangt.
- Bedürfnisse bedienen – mittelfristiger Bedarf, der sich über Zeit aufbaut.
- Wünsche erfüllen – langfristige, oft wenig dringliche Motive.
Im Vertriebsalltag herrscht häufig ein Fokus auf Problemlösungen. Dabei ist der Wettbewerb hier besonders intensiv und der Aufwand für Marketing und Verkauf hoch. Wer stattdessen vermehrt auf Bedürfnisse eingeht, schafft unter Umständen einen langfristigeren, leichter steuerbaren Kundenkontakt.
Eisenbürger unterstreicht, dass es sinnvoll sein kann, über KI die individuellen Trigger für Leads zu ermitteln – also genau zu erkennen, ob jemand in einer Bedürfnisphase steht oder sogar kurz vor einer konkreten Kaufentscheidung. Dieses Wissen ermöglicht zielgerichtete und bedarfsgerechte Kommunikation.
Automatisierung von Backoffice-Aufgaben
Neben dem Vertrieb stehen viele belastende Aufgaben im Backoffice an, die jedoch oft notwendige Voraussetzung für gute Kundenbeziehungen sind: Terminmanagement, Angebotserstellung, Rechnungskontrolle, Zahlungseingangsabgleich, Informationsversand und Follow-ups.
Ein voll automatisiertes System, das mit KI unterstützt wird, kann hier nicht nur entlasten, sondern auch Fehler reduzieren und Prozesse beschleunigen. Eisenbürger nutzt eigene Beispiele mit Automatisierungstools, die Terminlinks generieren, Zahlungsstatus abgleichen und Informationen automatisch korrekt an Kunden versenden.
Die KI übernimmt dabei nicht nur einfache Routinetätigkeiten, sondern koordiniert komplexe Folgeaufgaben, beauftragt verschiedene Agenten oder Systeme und hält den gesamten Prozess transparent.
Praxis-Tipp: Mit kleinen Schritten starten
Für viele liegt die größte Hürde nicht in der Technik, sondern in der Konzeption und Umsetzung eines solchen Tracking- und Automatisierungssystems. Eisenbürger empfiehlt, sich zunächst auf die Idee und Planung zu konzentrieren, etwa mit KI-gestützter Unterstützung (im Beispiel „Claude“ genannt), die in wenigen Minuten ein Konzept-Briefing für Lead-Scoring mit Engagementpunkten erzeugt.
Wichtig dabei ist: Perfektion in der Gewichtung der Punkte oder in der Definition der Schwellenwerte ist zu Beginn nicht notwendig. Das System kann iterativ weiterentwickelt werden, indem Beobachtungen und Erfahrungen in die Anpassung einfließen.
Ein weiterer Ratschlag ist, regelmäßig und systematisch Daten aus Webseitenbesuchen, E-Mail-Interaktionen, Terminen etc. zu sammeln und auszuwerten. Wer nur Tracking-Daten sammelt, diese aber nie interpretiert, verschenkt wertvolles Potenzial.
Technische Umsetzung und Datenschutz
Ein wichtiger Aspekt ist die Kombination von Daten aus verschiedenen Systemen: CRM, E-Mail-Marketing, Webinar- oder Termin-Tools, Zahlungsanbieter (z. B. Wise oder Stripe) und Webseiten-Analytics. Die KI und Automation sorgen dafür, dass alle relevanten Daten unter Berücksichtigung von Zugriffsrechten und Datenschutz zusammenlaufen.
Ein Beispiel aus der Praxis ist die Anonymisierung und Transkription von Web-Sessions oder Chat-Interaktionen. Nur so lässt sich erkennen, wer wie lange beteiligt war, welche Fragen gestellt wurden und wie intensiv die Interaktion war. Nur mit ausdrücklicher Einwilligung können Personalien verknüpft werden, womit Compliance gewahrt bleibt.
Zusammenfassung der Vorgehensweise
- Professionelle Webseite als „digitale Vordertür“ gestalten und klare Handlungsaufforderungen schaffen (Call-to-Action für Newsletter, Termin, Freebie etc.)
- Erfassung aller relevanter Interaktionen mit Leads (Formulare, E-Mails, Termine, Downloads)
- Entwicklung eines Punktesystems zur Bewertung des Engagements, das individuell an das Geschäftsmodell angepasst wird
- Einführung von KI-gestützter Automatisierung im CRM zur kontinuierlichen Aktualisierung des Scores und zur Steuerung von Folgeaktionen
- Verzahnung von Vertrieb, Marketing und Backoffice durch automatisierte Abläufe bei Leadbearbeitung, Terminverwaltung, Zahlungsprüfung etc.
- Nutzung von KI-Tools zur Erstellung von Kommunikationsinhalten, Koordination von Aufgaben und Analyse von Interaktionsdaten
- Iterative Verbesserung der Prozesse durch Auswertung der Erkenntnisse und Anpassung von Punktesystem und Workflow
Fazit: KI als Werkzeug für effiziente Leadbearbeitung und Vertriebssteuerung
Die Session zeigt klar, dass der Schlüssel zu erfolgreicher Lead-Generierung und -Bearbeitung heute nicht nur in guter Technik oder mehr Daten liegt, sondern in einem intelligenten Zusammenspiel von Erfassung, Bewertung und Automatisierung. Künstliche Intelligenz erweitert hier die Möglichkeiten maßgeblich: sie erlaubt eine fein granulare Messung des Engagements einzelner Leads, ermöglicht personalisierte und bedarfsgerechte Kommunikation sowie eine effiziente Auslagerung und Koordination administrativer Aufgaben.
Praktisch beginnt die Umsetzung nicht mit komplexen Systemen, sondern mit dem klaren Verständnis, welche Aktionen auf der Webseite für welche Leads relevant sind, und wie diese bewertet werden können. Werden diese Daten konsequent genutzt, kann daraus ein automatisches Alarmsystem entstehen, das Vertriebsteams rechtzeitig informiert und gezielte Kundenansprache ermöglicht.
Zugleich muss bedacht werden, dass KI kein Ersatz für persönliche Kundenkontakte ist, sondern ein Werkzeug, das mehr Zeit dafür schafft, indem es Routineaufgaben automatisiert und relevante Chancen hervorhebt. Die Empfehlung lautet demnach: Schritt für Schritt mit klaren Konzepten starten, Daten systematisch erfassen und die Automatisierung intelligent einsetzen.
Für alle, die gerade am Anfang stehen, ist es hilfreich, sich zunächst auf einfache Tracking- und Punktesysteme zu konzentrieren. Ist die Basis geschaffen, kann das System weiter verfeinert werden. Langfristig bietet die Verbindung von Leadqualität, Engagement-Scoring und Automatisierung eine solide Grundlage für nachhaltigen Vertriebserfolg in digitalen Zeiten.
